05.12.2019

Inklusion klein geschrieben: Amt braucht zwei Jahre für einen Brief

Vor einem Jahr und neun Monaten beschlossen die Pankower Bezirksverordneten die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an Kulturveranstaltungen zu verbessern. Auf Antrag von SPD und Bündnis 90/ Die Grünen gaben sie dem Bezirksamt auf zu prüfen, wie die Kultureinrichtungen des Bezirks in dieser Hinsicht umgerüstet werden könnten. Jetzt erhielten sie den ersten Zwischenbericht.

Der Zwischenstand des Vorhabens lautet kurzgefasst: Das Bezirksamt hat seit dem Beschluss am 21. Februar 2018 zwei Briefe geschrieben, vielleicht auch zweimal zum Telefonhörer gegriffen – und zwar im November 2019. So jedenfalls muss man die Vorlage von Bürgermeister Sören Benn interpretieren, die er der Bezirksverordnetenversammlung zur Kenntnisnahme reicht.

Laut des Antrags vom Februar 2018 sollte das Bezirksamt die Interessenvertretungen der Behinderten und Lernbeeinträchtigten kontaktieren sowie das Berliner Projektbüro für Diversitätsentwicklung DIVERSITY.ARTS.CULTURE, um mit deren Expert*innen Kulturangebote im Hinblick auf „Verfügbarkeit, Zugänglichkeit, Annehmbarkeit und Angemessenheit“ zu untersuchen. Auch sollte evaluiert werden, wo Künstler*innen mit Behinderungen Kulturveranstaltungen mitgestalten und wie dies ausgebaut werden könnte.

Immerhin: Es soll bald einen Workshop geben

Nun vermeldet der Bürgermeister: „Das Amt für Weiterbildung und Kultur hat in der Angelegenheit im November 2019 Kontakt zur Schwerbehindertenvertretung und zum Bezirksbehindertenbeauftragten aufgenommen… Ein Kontakt mit DIVERSITY.ARTS.CULTURE - Berliner Projektbüro für Diversitätsentwicklung ist bereits hergestellt.“ Immerhin: Es soll dann wohl mal im nächsten Jahr einen Workshop geben. Leider kann DIVERSITY.ARTS.CULTURE den nicht mit vorbereiten „aufgrund mangelnder zeitlicher Kapazitäten“, erfahren die Bezirksverordneten aus dem Zwischenbericht.

Bleibt zu fragen, warum das Projektbüro der Senatsverwaltung keine Zeit hat. Immerhin gehört es laut eigener Website zu dessen Kernaufgaben, die Kulturverwaltung zu beraten und Künstler*innen und Kulturschaffenden zu stärken, „die im Kulturbetrieb Ausschlüsse erfahren“.

Die Sprecherin für Barrierefreiheit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Ute Schnur kommentiert: „Dem Bezirksamt von Pankow lagen die Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen einmal am Herzen. Doch in letzter Zeit scheint sich das geändert zu haben. Ich hoffe, dass es nach dem geplanten Workshop nicht wieder solange dauert, bis das Bezirksamt aktiv wird. Denn Menschen mit Beeinträchtigungen möchten am kulturellen Leben teilhaben.“

Den Zwischenbericht zum Antrag „Kultur inklusiv machen - Inklusionsplan für Pankow“ finden Sie hier.

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