Wer bist Du, was machst Du beruflich und in der Fraktion?
Ich bin Carola Ehrlich-Cypra, seit 30 Jahren freie Bildungsredakteurin. Derzeit arbeite ich im Soldiner Kiez im Wedding in einer Nachhilfeeinrichtung für armutsbetroffene Kinder und Jugendliche – also für Kinder, die deutlich schlechtere Bildungschancen haben als viele hier im Prenzlauer Berg. Mein Herzensanliegen ist es, für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen: Alle Berliner Kinder und Jugendlichen sollen gleiche Bildungschancen haben – unabhängig vom Wohnort oder Geldbeutel. In der BVV bin ich Bezirksverordnete im Schulausschuss und seit Kurzem auch Sprecherin für Gleichstellung der Fraktion.
Welchen Bezug hast Du zu Pankow?
Ich bin im Märkischen Viertel aufgewachsen – mit Blick auf Rosenthal. Damals stand noch die Mauer. Ich bin jahrelang an ihr entlang zur Schule gefahren. Die Hälfte meiner Verwandten lebte in der DDR, ein Teil in Ostberlin, in Weißensee – und wir haben sie regelmäßig besucht. Das alte Pankow aus DDR-Zeiten kenne ich also noch.
Später zog ich nach Gesundbrunnen, habe viele Jahre im Ausland gelebt und bin schließlich zurückgekommen. Seit 25 Jahren lebe ich nun mit meinem Mann und unserer Tochter im Prenzlauer Berg.
Wie lange bist Du schon in der BVV Pankow und was gefällt Dir an Deiner Arbeit?
Bezirksverordnete bin ich seit Januar. Davor war ich bereits seit 2021 Bürgerdeputierte im Ausschuss Schule und Sport. Ich war viele Jahre GEV-Vorsitzende an der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule, außerdem aktiv im Bezirkselternausschuss und Bezirksschulbeirat. Ich kenne die Arbeit der BVV also schon länger.
Ich möchte durch meine Arbeit Dinge verändern und bewegen. Dafür braucht es einen langen Atem – nicht nur eine, sondern mindestens zwei Legislaturen. Aber genau diese langfristigen Entwicklungen finde ich spannend. Und was ich an unserer Fraktion besonders schätze: Wir arbeiten herzlich, offen und kreativ zusammen. In unseren Sitzungen entstehen Ideen oft ganz spontan – das macht Spaß!
Welche sind Deine thematischen Schwerpunkte?
Mein Schwerpunkt ist Bildung. Ich bin auch auf Landesebene aktiv – als eine Sprecherin der LAG Bildung bei den Grünen. In der BVV konzentriere ich mich besonders auf die schulpolitischen Themen in Pankow.
Welches Projekt liegt Dir besonders am Herzen – und warum?
Ein Herzensthema ist für mich Bildungs- und Chancengerechtigkeit und die Entwicklung von Gemeinschaftsschulen. Ich war viele Jahre GEV-Vorsitzende an der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule – eine Schule, an der die Kinder von der 1. Klasse bis mindestens zur 10. gemeinsam lernen. Diese Schule verzichtet auf die frühe Sortierung nach der Grundschule, also auf die Einteilung in „Gymnasialkinder“ und „alle anderen“. Für mich ist diese Selektion weder notwendig noch sinnvoll. Gleichzeitig fehlt es durch die frühzeitige Trennung der Kinder an Vielfalt, Alltagserfahrung und Begegnung – gerade in der prägenden Phase der Pubertät.
Ich bin überzeugt, dass das gemeinsame Lernen sozialen Zusammenhalt stärkt – und das braucht unsere demokratische Gesellschaft dringend. Natürlich muss auch eine Gemeinschaftsschule hohe Qualitätsstandards erfüllen. In Pankow gibt es zwei Gemeinschaftsschulen: Die Tesla-Schule und die Wilhelm-von-Humboldt-Schule. Letztere wurde 2024 sogar mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet – sie lebt einen respektvollen Umgang mit Vielfalt: mit leistungsstarken und förderbedürftigen Schüler*innen, mit Willkommensklassen, mit Kindern aus Familien mit unterschiedlichen Sprachen. Dort geht es nicht nur um reine Wissensvermittlung, sondern auch um Neugier, Mitgestaltung, Empathie. Schule sollte ein Ort sein, an dem nicht nur Wissen reproduziert, sondern Zukunft gestaltet wird. Wissen ist wichtig und natürlich sind Kompetenzen in Deutsch und Mathe total wichtig und notwendig. Aber wie wollen wir als Gesellschaft leben, wie entstehen Innovationen, wie entsteht Empathie? Das sind Themen, die auch in Schulen bespielt werden sollten, aber das passiert noch zu wenig. Und genau deshalb setze ich mich für den Ausbau qualitativer Gemeinschaftsschulen ein – als wichtigen Baustein für echte Bildungsgerechtigkeit.