Hitzeschutz darf keine Selbstzahlerleistung sein

Das CDU-geführte Straßen- und Grünflächenamt erfüllt das Ziel der Jamaika-Projektvereinbarung nicht, mehr Bäume zu pflanzen als zu fällen: In den Jahren 2024 und 2025 wurden im öffentlichen Raum 2.319 Bäume gefällt, während lediglich 1.049 neu gepflanzt wurden. Ausgerechnet die Teile des Bezirks, in denen 70 Prozent der Menschen leben und die sich im Sommer wegen der dichten Bebauung am stärksten aufheizen, werden systematisch benachteiligt – von Pankow-Zentrum über Prenzlauer Berg bis Weißensee. 2024 erfolgten hier im öffentlichen Raum knapp 4 Mal mehr Fällungen als Pflanzungen; 2025 sogar knapp 20 Mal so viele.

Im Rahmen der Stadtbaumkampagne dürfen Bürger*innen, die Geld für Bäume spenden, auch Orte für Neupflanzungen festlegen. Wenig überraschend wurden hier vor allem die stark hitzebetroffenen Regionen Pankows genannt. „Die Bezirksregionen mit der schlechtesten Umweltgerechtigkeit können sich offenbar nur auf Selbstzahlerbasis schützen“, kommentiert Axel Lüssow, Bezirksverordneter und Sprecher für Klimaanpassung.

Dank der Stadtbaumkampagne werden 154 neue Straßenbäume in stark hitzebetroffenen Regionen Pankows möglich. Genaue Zahlen für die Standorte nennt das Straßen- und Grünflächenamt bislang nicht; Lüssow hat hier bereits nachgefragt. Die Ziele des Berliner Klimaanpassungsgesetzes (BäumePlus-Gesetz) – alle 15 Meter ein Baum sowie Pflanzungen mit Priorität auf Klimaanpassung in Hitzevierteln – werden aber ohnehin nicht eingehalten.

„Wer heutzutage immer noch Klimaanpassung aussitzen will, handelt fahrlässig,“ erklärt Axel Lüssow. „Bäume sind keine netten Extras, sondern grundlegende Infrastruktur. Jeder nicht nachgepflanzte Baum fehlt als Schatten, als Kühlung, als Schutz der Gesundheit. Das spüren immer diejenigen zuerst, die sich am wenigsten wehren können – und sich nicht einfach Bäume via Stadtbaumkampagne selbst kaufen können.“

Lüssow fordert das Straßen- und Grünflächenamt auf, folgende Schritte umgehend einzuleiten: 

  • Deutliche Erhöhung der Nachpflanzungen durch den Bezirk im Sinne des BäumePlus-Gesetzes.
  • Soziale und klimatische Umweltgerechtigkeit bei der Verteilung von Baumpflanzungen durch den Bezirk: Vorrang für hitzebelastete, dicht bewohnte Quartiere. 
  • Aktive Einwerbung und Nutzung externer Fördermittel für Baumschutz und -pflanzungen. 
  • Volle und dauerhafte Transparenz zur lokalen Bilanz von Baumfällungen und -pflanzungen.