Klimaanpassung entscheidet ganz konkret darüber, ob Pankow auch in zehn oder zwanzig Jahren noch ein guter Ort zum Leben ist. Wenn Straßen nur für Autos geplant werden, verlieren wir Bäume, erleben Überschwemmungen und im Sommer eine Gefährdung Älterer, chronisch Kranker und Kleinkinder auf überhitzten Plätzen.
In Pankow aber blockiert das CDU-geführte Straßen- und Grünflächenamt Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität. Auf Landesebene hat die CDU 2025 im Alleingang Gelder für Kiezblockplanungen gestrichen und damit neben der Verkehrssicherheit auch Klimaanpassung ausgebremst. So bleibt Pankow grauer und lauter, als es sein müsste – mit Folgen für die Sicherheit, Gesundheit und Lebensqualität von hunderttausenden Menschen.
Axel Lüssow: „Wer Klimaanpassung blockiert, entscheidet sich gegen lebenswerte und kühle Wohnquartiere – und das spüren alle in Pankow.“
Am 9. März haben wir im Kiezbüro B5 darüber diskutiert, wie Pankow unter diesen schwierigen Bedingungen trotzdem grüner und lebenswerter werden kann. Nach einem Grußwort von Bezirksbürgermeisterin Dr. Cordelia Koch und unserem Fachsprecher für Klimaanpassung Axel Lüssow stellte Oda Hassepaß, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Verkehrspolitische Sprecherin, eine aktuelle Studie zur Verkehrsberuhigung in Berlin vor.
Verkehrsberuhigung: Was die Fakten sagen
Die Botschaft von Oda Hassepaß: „Die Debatte über Kiezblocks wird oft emotional geführt, doch die Datenlage ist klar.“ In verkehrsberuhigten Kiezen gingen Unfälle mit Personenschäden um knapp 30 Prozent zurück; schwere Unfälle nahmen sogar um 58 Prozent ab. Und: Zwei Drittel bis drei Viertel der Menschen stehen hinter Verkehrsberuhigung – unabhängig davon, ob ihr Kiez im Zentrum liegt oder am Stadtrand, ob die Menschen dort wohlhabend sind oder prekär leben. Die Zustimmung ist besonders hoch, wenn gleichzeitig mehr Bäume und Sträucher gepflanzt werden, die Straßen kühlen und attraktiver machen. So können Verkehrsberuhigung und Klimaanpassung Hand in Hand gehen.

76 Prozent der Menschen in Berlin sind zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn unterwegs. Oda Hassepaß: „Verkehrsberuhigung wirkt und rettet Menschenleben. Genau das wollen wir für Berlin. Damit alle sicher unterwegs sind.“
Klimaanpassung und Klimaastraßen
Dr. Katharina Lindschulte, Expertin für Klimaanpassung und Geschäftsführerin des Planungsbüros bgmr Landschaftsarchitekten, zeigte in ihrem Vortrag, wie viel Potenzial in sogenannten Klimastraßen oder blau-grünen Straßen steckt, also Straßen mit vielen Bäumen und Grünflächen, bei denen Regenwasser für die Pflanzen genutzt wird, statt direkt in die Kanalisation zu laufen. Bei Starkregen wird so die Kanalisation entlastet und das Risiko von Überflutungen sinkt. An heißen Sommertagen spenden Bäume Schatten und das in Grünflächen gespeicherte Regenwasser verdunstet und kühlt die Umgebung – eine wertvolle natürliche Klimaanlage, gerade in dicht besiedelten und im Sommer stark aufgeheizten Vierteln. Klimastraßen sind aber nicht nur ökologisch wertvoll: Sie laden zum Laufen, Radfahren und Verweilen ein – so wird der Straßenraum zu einem angenehmen Ort für alle.
Derzeit verliert Berlin viele Straßenbäume durch Trockenheit. Diesem Trend lässt sich entgegenwirken, indem Regenwasser genutzt wird und Bäume mit ausreichend Wurzelraum gepflanzt werden. Viele Regeln für Straßenräume aber konzentrieren sich nur auf einzelne technische Aspekte, wie etwa die DIN-Norm zur Unterbringung von Leitungen, welche den unterirdischen Platzbedarf von Bäumen ausblendet. Dr. Lindschulte hielt fest, dass gute Straßenplanung Klimaanpassung von Anfang an mitdenken muss.

Dr. Katharina Lindschulte: „Gute Straßenplanung braucht die interdisziplinäre Expertise von Verkehrsexpert*innen, Wasserwirtschaft und Landschaftsarchitektur.“
Pankow zwischen Vorbild und Blockade
Axel Lüssow erinnerte an den Graefekiez in Kreuzberg: Dort hat das Straßen- und Grünflächenamt eigeninitiativ Straßen und Gehwege umgebaut – entstanden sind blühende Inseln, sichere Wege und sogar ein grünes Klassenzimmer. „Das zeigt, was möglich ist, wenn ein Amt Klimaanpassung ernst nimmt und einfach anfängt“, so Lüssow. „In Pankow erleben wir leider das Gegenteil: Ein Amt, das Entsiegelung, Begrünung und Bäume verhindert statt fördert, kann langfristig eine graue, laute und überhitzte Stadt zementieren.“ Lüssow fordert klare Vorgaben auf Landesebene, damit einzelne Ämter nicht länger Klimaanpassung blockieren und Fakten schaffen können, die später nur noch mit großem Aufwand zu korrigieren sind. Cornelius Bechtler, Stadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, machte deutlich, dass neben fachlichen Konzepten auch Mut anderer demokratischer Parteien nötig sei, sich klar zu Verkehrsberuhigung und Klimaanpassung zu bekennen. Pankows Bezirksbürgermeisterin Dr. Cordelia Koch brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen Druck von außen, damit Klimaanpassung nicht in Aktenordnern stecken bleibt.“ Ohne öffentliche Aufmerksamkeit, klare Leitplanken aus dem Abgeordnetenhaus und die Unterstützung der Zivilgesellschaft bleibt Pankow ein Bezirk, in dem Autos Vorrang vor Kindern, Bäumen und Sicherheit haben. Es braucht jetzt entschlossenes Handeln, um Pankow zum Vorreiter zu machen: Eine Großstadt kann ihren Straßenraum so gestalten, dass sie Menschen schützt, statt sie zu gefährden.