KA-1220/IX

Ein Zaun für 826.216,00 Euro

Im Investitionsplan sind für die „Denkmalgerechte Sanierung der Zaunanlage Garbatystraße/Berliner Straße“ (Bezirkshaushaltstitels 3810 71513) 556.000,00 Euro vorgesehen, baupreisindexbedingt waren in der Bauplanungsunterlage bei einer Verschiebung in das Jahr 2025 bereits mit 736.144,00 Euro gerechnet worden, derzeit wird mit 763.000 Euro gerechnet, für die Fertigstellung im Jahre 2027 bereits mit 826.216 Euro. 

1. Aus welchen Gründen steht die Zaunanlage unter Denkmalschutz? 

Zunächst der Hinweis dass die angefragte Investitionsmaßnahme unter folgender Bezeichnung angemeldet wurde: „Denkmalgerechte Sanierung der Zaunanlage ehemalige Zigarettenfabrik Garbaty, Berliner Str. 123-125“. Die Zaunanlage steht unter Denkmalschutz, weil sie gemeinsam mit dem Industriebau der ehem. Garbáty-Fabrik (Berliner Straße 123-125) und der Garbáty-Villa (Berliner Straße 126-127) städtebaulich prägend ist. Sie ist auch ein Zeugnis der baulichen Entwicklung der Fabrik:

1899 erwarb Josef Garbáty-Rosenthal unbebautes Ackerland an der Hadlichstraße und ließ hier von 1906 bis 1907 erste Fabrikgebäude nach Plänen des Architekten Paul Überholz errichten.

Die Fassadenfront des Hauptbaus mit ihren weißen Glasursteinen, Jugendstilelementen und großzügigen Fenstern entspricht der Architektursprache von Gewerbehöfen jener Zeit.

In einer zweiten Bebauungsphase entstand 1913 an der Berliner Straße ein U-förmig angefügter Fabrikbau. Er war ursprünglich neoklassizistisch gestaltet und ähnelte, gemäß dem damaligen Zeitgeschmack, eher einem Verwaltungs- als einem Industriebau. Die Haupterschließung wurde in dieser Zeit von der Hadlichstraße an die Berliner Straße mit einer repräsentativen Einfriedungsmauer verlegt, die heute noch vorhanden ist. 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Woraus setzt sich die Summe, die für die denkmalgerechte Sanierung vorgesehen ist, zusammen, und wie wurde sie errechnet? 

Aufgestellt nach DIN 276-1 und Einheitspreisen nach geltenden Preistabellen und aktuellen Submissionsergebnissen. 

Zusammensetzung: 

KG 300 Bauwerk/Baukonstruktionen 74 %

KG 400 Bauwerk/Techn. Anlagen 2 %

KG 500 Außenanlagen 5 %

KG 700 Baunebenkosten 19 % 

3. Mit welchen baupreisindexbedingten Gesamtkosten muss für eine Realisierung in 2026 gerechnet werden? 

Das für die Erstellung der Bauplanungsunterlage zuständige Fachamt, das Hochbauamt konnte aus Kapazitätsgründen hierzu leider keine Zuarbeit liefern. 

4. Mit welchen baupreisindexbedingten Gesamtkosten muss für eine Realisierung in 2027 gerechnet werden? 

Sofern die Umsetzung der Baumaßnahme ins Jahr 2027 verschoben werden sollte, werden die Gesamtkosten gem. Baupreisindex nachgereicht. 

5. Wofür wurden die bereits verausgabten Mittel in Höhe von 17.411,68 € des Titels Bezirkshaushalt 3810 71513 321″Denkmalgerechte Sanierung der Zaunanlage Garbatystraße/Berliner Straße“ ausgegeben? 

Die bisher verausgabten Mittel wurden für restauratorische Untersuchungen, für die Erfassung des Bauzustandes hinsichtlich statischer Belange und für Architektenleistungen gem. HOAI benötigt. 

6. Was würde die Herstellung einer Replik, welche den denkmalgeschützten Zaun nur kopiert, kosten? 

Die Herstellungskosten für eine Replik wurden nicht geprüft. 

7. Wurde die Anfertigung einer Replik in Erwägung gezogen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, warum wurde sich dagegen entschieden? 

Die Herstellungskosten für eine Replik wurden nicht geprüft, da sich mit dem Denkmalschutz der Erhalt baulich überlieferter Bauteile verbindet. 

8. Unter welchen Umständen könnte der Zaun durch einen anderen, nur der Verkehrssicherheit dienenden Zaun, ersetzt werden? 

Sofern die Einfriedung bautechnisch nicht mehr erhaltensfähig ist, könnte eine alternative Einfriedung geprüft werden. Eine bauästhetisch triviale Lösung, wie z. B. ein Bauzaun, würde der städtebaulichen Qualität jedoch nicht gerecht werden. 

9. Welche Abwägung wurde in der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung untersucht und wie lautete das Abwägungsergebnis? 

Sh. Antwort zu 3. 

10. Wenn in der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung nicht der Denkmalschutz gegenüber den exorbitanten Kosten der Zaunanlage abgewogen wurde, wurde dies an anderer Stelle getan? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, was waren die Abwägungsbestandteile und das Ergebnis? 

Sh. Antwort zu 3. und 9. 

11. Muss das Projekt ausgeschrieben werden? Wenn ja, für wann ist die Ausschreibung und Vergabe geplant? 

Derzeitig ruht das Projekt wegen der bestehenden Haushaltssperre. Sofern eine Entscheidung bis 04/26 getroffen und der Durchführung der Maßnahme zugestimmt wird, könnten voraussichtlich in 07/26 die Bauleistungen ausgeschrieben werden. 

Allerdings sind auch noch geschäftsbereichsübergreifende Abstimmungen bezüglich der Vorplatzgestaltung der ehemaligen Garbaty-Fabrik mit möglichen Auswirkungen auf die Zaunanlage zu führen.